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Ich bin Wolfram, sexsüchtig
 Moderiert von: pipo  
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VerfasserBericht
Werner Hoffmann
Member
 

Eingegeben am: 29 Nov 2009
Herkunft:  
Berichte: 1
Status:  Offline
Mana: 
 Geschrieben: 30 Nov 2009 11:54
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Also ein Buch zum Thema hat mich besonders betroffen gemacht. Es ist von Wolfram M. Jehser (ich weiss nicht, ob dies tatsächlich der Name des Dipl.Ing. aus Berlin ist).:

Jehser, Wolfram M.

Ich bin Wolfram, sexsüchtig.

verlegt bei Fischer Taschenbuch Verlag "Lebenskrisen . Lebenschancen"

Frankfurt a. M. 1995 ISBN  3-596-12480-8

Wie ein durchdringendes, sich immer tiefer eingrabendes Rad, so schildert Wolfram M. Jehser sein Leben (Dipl.Ing., geb. 1948, verh., Kinder und in der Folge der Sexsucht gechieden, Kinder weg usw. incl. finanzieller und beruflicher Katastrophe), das bestimmt ist von der ständigen, zwanghaften Sucht nach Sex.

Therapien und Selbsthilfegruppen bestärken den Autor darin, die Abhängigkeit zu durchbrechen, doch ist es für ihn auch heute noch schwer, mit seiner Sucht zu leben, zu klären, was "Trockenheit" in diesem Zusammenhang bedeutet. Er ringt um ein Lebenskonzept und sieht die Chance, die in der Sucht liegt.

Bei Jehser weitete sich die Sexsucht aus hin bis zum Besuch von Prostituierten. Er schreibt z.B. auf S. 139 (Zitat):

"...Gut erholt kam ich am Montagabend aus dem Urlaub zurück. Ein schöner Urlaub: Französisch-Sprachkurs, sportliche Fahrradtour. Ich fühl mich wohl. Montag: Erschöpft von der Reise fahre ich noch nachts um zwei in den Puff. Der Weg dorthin: Teil der Erregung..."

Nachdem Jehser jeden Tag "rückfällig" geworden ist, sich selbst immer wieder versprochen hat: Nie wieder ! Und es dennoch am nächsten Tag wieder tat, schreibt er auf Seite 140 des o.g. Buches:

"...Die Woche ist rum - Sonntag hatte ich frei - und ich habe mich noch nie in meinem Leben so abgrundtief beschissen, so verzweifelt gefühlt. Ich hole meine Beta-Blocker-Vorräte, 300 Stück hervor, lege sie mir auf den Tisch und habe nur noch einen Wunsch: Oh Herr, erlöse mich von dem Elend. In Ewigkeit. Amen !..."

Nach dem ich das Buch gelesen hatte, wurde ich den Vedacht nicht los, dass Herr Jehser nicht aus eigener Kraft von seiner Sexsucht loskam als wäre er dämonisch besessen. Das Problem für einen Sexsüchtigen mit Internet-Flatrate und PC daheim ist dasselbe wie bei einem Alkoholiker, der eine Getränke-Bar mit Whiskey, Cognac und Schnaps zuhause hat. Die Sexwelt ist nur einen Mausklick entfernt. Eigentlich ist das noch schlimmer als bei einem Alkoholiker: Der Sucht-Stoff ist billig und schnell jederzeit verfügbar und die Sexsucht zerstört genauso wie bei einem Alkoholiker auch das soziale Umfeld, man verliert seinen Job, Frau und Familie und man hat Suizidgedanken bzw. man muss ggfs. stationär psychiatrisch langfristig behandelt werden.

Wie kann man aber ein natürliches Verhältnis zur Sexualität haben, wenn man zuvor sexsüchtig gewesen ist und nun "trocken" ist ? Nach meiner Ansicht zusammen mit einem Lebensgefährten und Sex ist ja nicht nur das langweilige rein/raus oder die 5-Minuten-Sache, sondern es ist ein breites Spektrum: Eine intensive Umarmung, ein Kuss, Streicheln, Austausch von Zärtlichkeiten, zusammen gekuschelt abends vor dem TV oder Kamin sitzen bei einem Getränk, das Haar des Lebensgefährten riechen, wie er/sie duftet, die Hand es anderen ergreifen und umschließen, umfassen usw. Da gibt es so viele Möglichkeiten der Zärtlichkeit mit dem Lebensgefährten (ich sage bewusst Lebensgefährten um Homosexuelle nicht zu diskrimienieren), die viel schöner und intensiver sind als der langweilige einfaltslose mechanische Sex der Pornoindustrie, der ohnehin nicht erfüllend ist.

Ein mir bekannter Christ sagte mir einmal, der Mensch könne "entarten", der Mensch würde zum Mißbrauch der ihm von Gott geschenkten Gaben neigen, was den vierfachen gestörten Frieden noch mehr kaputt macht: den Frieden mit Gott, den Frieden mit seinem Gegenüber, den Frieden mit der Natur und den Frieden mit sich selbst.

Werner

 

Letzte Änderung am 30 Nov 2009 11:59 von Werner Hoffmann


 Uhrzeit 13:28




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