
Den Krieg in den Gedanken gewinnen von Mike Genung
Unsere Kultur ist mit Lust durchsetzt. Schalte den Fernseher ein, und du wirst jede Stunde mit sechs bis sieben Szenen konfrontiert, die sexuellen Inhalt haben (Quelle: Citizen Magazine). Geh zum Briefkasten, und es könnte sein, dass du dort einen unerwünschten Katalog für Damenunterwäsche vorfindest. Zeitungen sind oft voll gestopft mit Bildern von Frauen in Unterwäsche, dazu findet sich im Sportteil Werbung für die örtlichen Striplokale. Zeitschriften sind angefüllt mit sexuell provozierender Werbung. Dann gibt es noch das Internet, wo selbst auf rechtmäßigen Nachrichten-Websites ins Auge fallende Bilder mit "weicher" Pornographie auftauchen.
Gehst du in ein lokales Kaufhaus, um eine Geburtstagskarte zu kaufen, werden dich aus dem Geburtstagkartenständer Bilder von Frauen anspringen, die sich in den verschiedensten Stadien des Ausziehens befinden. Wenn du die Regalreihen weiter entlang gehst, wirst du einer Anzahl von Produkten ausgesetzt sein, die mit Bildern von nackten Frauen bepackt sind. Das große Finale kommt dann an der Registrierkasse, wo viele Zeitschriften mit (meistens) nackten Frauen auf der Titelseite aufgelegt sind.
Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, wäre es nicht ungewöhnlich, wenn auf Plakatsäulen mit der Abbildung einer fast nackten Frau für ein Produkt geworben wird oder für ein Striplokal oder Kasino. Schalte im Radio den falschen Sender ein, und schon hörst du Männer und Frauen, die über sexuelle Sünde singen.
Wenn du an einem warmen Tag zu einem Spaziergang hinausgehst in ein dicht besiedeltes Gebiet, werden dir zahllose Frauen begegnen, die enge, dünne, offenherzige Kleidung tragen, die jede einzelne Kurve betont. Das wird man auch in der Gemeinde zu sehen bekommen.
Im Einkaufszentrum stehen vor vielen Geschäften überlebensgroße Plakatständer mit halb- (oder nicht) bekleideten Frauen. Victoria's Secret oder andere Geschäfte für Damenunterwäsche stellen ihre "weiche" Pornographie bewusst so aus, dass jeder sie sehen kann. Geht man zu Barnes oder Noble oder irgendeinem anderen renommierten Büchergeschäft, wirst du sehen, dass es dort eine ganze Abteilung mit Sexliteratur gibt. Oft liegen diese Bücher angrenzend an die Sektion mit psychologischer Literatur über Selbsthilfe.., du kannst dir Pornographie anschauen und dann in der gleichen Abteilung ein Buch über Heilung von sexueller Abhängigkeit kaufen.
Es ist schon schwer genug, in dem Pfuhl einer kulturellen Kloake ein reines Herz zu bewahren, aber der Mann, der seinen Kopf mit Pornographie vollgeladen hat, kämpft sogar dann noch, wenn er allein in seinem Zimmer vor einer kahlen Wand sitzt. Wie ein Computer, der mit einem trojanischen Spionvirus infiziert ist, ist sein Verstand mit pornographischen Momentaufnahmen durchsetzt; es ist schon eine Herausforderung, nur fünf Minuten zu überstehen, ohne dass eine sexuelle Phantasie durch den Verstand zieht.
Wir wissen, dass wir mit einem reinen Sinn leben sollen, die schwierige Frage ist nur, wie wir unseren Verstand reinigen und mit sexueller Versuchung umgehen können, während wir im Pornoland leben. Und was tun wir mit unserem gefallenen Fleisch, das es liebt, sich mit Lust zu beschäftigen?
Wenn ich von einer Versuchung zur Lust betroffen bin, habe ich mehrere Möglichkeiten, damit umzugehen.
1. Ich könnte gar nichts tun und versuchen, die Gedanken zu ignorieren. Das funktioniert jedoch nicht, denn sie kommen immer wieder.
2. Ich könnte mit den Eindrücken spielen. Das ist ein Spiel mit dem Feuer; wenn ich erst einmal angefangen habe, meine Gedanken mit sexuellen Phantasien in Gang zu setzen, habe ich der Lust die Autoschlüssel übergeben, und sie wird mich in den Abgrund fahren.
3. Ich kann versuchen, sie "auszutreiben" oder "dem Teufel befehlen zu weichen".
Das würde funktionieren, wenn die Versuchung ausschließlich ein geistlicher Angriff war und bei mir auch keine geistlichen Türen offen sind, die dem Feind das Eindringen erlauben, aber das würde mein Fleisch noch nicht zum Schweigen bringen oder meinen verdorbenen Sinn nicht daran hindern, Momentaufnahmen der Lust abzufeuern.
4. Ich könnte einen Freund anrufen, wie wir es in dem Artikel Was zu tun ist dargelegt haben. Das wird helfen, wenn es gelingt, den Freund augenblicklich zu erreichen, aber was ist, wenn es erst nach einigen Stunden gelingt, den Kontakt herzustellen? Ich kann die lustvollen Gedanken doch nicht ungehindert durch meinen Kopf ziehen lassen, bis ich endlich mit jemandem reden kann. Ich brauche einen Weg, den Gedanken in der Sekunde ihres Auftauchens entgegenzutreten.
Es muss einen anderen Weg geben. Der Herr hat uns befohlen, mit einem reinen Herzen zu leben, deswegen wird Er auch einen Weg haben, wie es möglich ist, Seinen Willen zu tun. Das Prinzip, wonach wir suchen, findet sich in den folgenden Versen:
"...und mein Volk, das nach meinem Namen benannt ist, demütige sich selbst und bete und suche mein Angesicht und wende sich ab von ihren bösen Wegen, dann will ich sie vom Himmel her hören, will ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen." 2. Chronik 7, 14.
Im Kontext von 2. Chronik 7, 14 bedeutet "Buße tun" sich von unseren bösen Wegen abwenden. Wir kämpfen nicht gegen die Sünde oder versuchen sie zu schlagen, sondern wir wenden uns von ihr ab und wenden uns Gottes Angesicht zu. Dieses einfache Prinzip enthält die Antwort, nach der wir suchen.
In der Sekunde, in der ein lustvoller Gedanke oder ein Bild auftaucht, kämpfen wir nicht dagegen an. Es ist verschwendete Zeit, mit Lust oder unserem Fleisch zu kämpfen; beide sind stärker und verschlagener als wir. Stattdessen wenden wir uns Gott zu, verbinden uns mit Ihm und bitten Ihn, dass Er die Schlacht für uns schlägt. "Zuwenden und verbinden" sieht folgendermaßen aus: Ich sitze in meinem Büro und das Bild einer alten Freundin taucht in meinen Gedanken auf. Sofort wende ich mich in meinem Herzen Gott zu und sage: "Herr, schaffe in mir ein reines Herz. Ich will keine andere Frau als die, die Du mir gegeben hast." Ich stelle mir den Herrn vor, der auf Seinem wunderbaren, leuchtenden, weißen Thron in der Herrlichkeit des Himmels sitzt. Meine Aufmerksamkeit ist jetzt von dem Lustgedanken weg auf den Herr gerichtet. Ich habe den Gedanken nicht bekämpft, ich habe mich nur von ihm abgewendet und meine Gedanken auf den Herrn gelenkt. Wenn ich in die Gegenwart des Herrn komme, verschwindet der sündhafte Gedanke, und Seine Kraft verändert mich. Ich trainiere meine Vorstellungskraft darauf, sich von Gott zu nähren anstatt von Lust und bin mit dem Einen verbunden, nach dem meine Seele in Wahrheit dürstet.
Es ist äußerst wichtig, dass wir sofort reagieren, wenn die Gedanken auftauchen. Jemand hat einmal eine Drei-Sekunden-Regel aufgestellt; dahinter steht der Gedanke, dass du eine Frau drei Sekunden lang ansehen kannst, erst danach wird es zur Sünde. Das ist so, als ob man ein Spielchen daraus macht (vielleicht soll damit auch versucht werden, ein bisschen Sünde zu rechtfertigen), denn in Gedanken kann ich eine Frau in weniger als einer Sekunde ausziehen. Wir können nicht zulassen, dass sich die Lust auch nur für einen Augenblick festsetzt: sobald wir die Tür öffnen, stürmt die Lust herein und läuft Amok.
Noch ein Beispiel. Ich gehe den Gang in unserem Bürogebäude entlang und bemerke ein ziemlich hübsches Mädchen von etwa zwanzig Jahren, das sich meinem Gesichtkreis nähert. Ohne auf ihre Formen zu schauen, kann ich doch wahrnehmen, dass sie enge oder offenherzige Kleidung trägt, und ich weiß, dass ich da nicht hin will. Augenblicklich wende ich mich in vollkommener Ehrlichkeit zu Gott: "Herr, ich will da nicht hinschauen, aber ich bin müde, und mein Fleisch würde es gerne tun, deshalb hilf mir bitte. Schaffe in mir ein reines Herz, ich will Dich. Dieses Mädchen ist nicht mein Gott." Ich habe meine völlige Abhängigkeit von der Kraft des Herrn bekannt, und mein Herz verbindet sich mit Ihm. Zur gleichen Zeit halte ich meinen Blick aufwärts gerichtet und lasse ihn nicht abwärts wandern. Wenn sie mich begrüßt, erwidere ich den Gruß freundlich und schaue ihr in die Augen, wenn wir miteinander sprechen. Wenn es eine berufliche Angelegenheit zu besprechen gibt, halte ich meinen Blick auf ihr Gesicht gerichtet. Während des Gesprächs bete ich manchmal im Stillen: "Herr, hilf mir, den Blick aufwärts gerichtet zu halten."
"Ich habe einen Bund mit meinen Augen geschlossen; wie könnte ich denn da eine Jungfrau anstarren?" Hiob 31, 1
Es gibt eine Frau auf dieser Welt, bei der ich mir erlaube, ihren Körper anzustarren; den von meiner Frau. Was andere Frauen betrifft, halte ich meinen Blick auf deren Gesicht gerichtet, wenn ich mit ihnen spreche. Es kann sein, dass auch ihre Figur in meinem Blickwinkel erscheint, aber ich lasse meinen Blick nicht "fallen, krallen und rollen".
Es ist nichts Falsches oder Sündhaftes daran, zufällig eine hübsche Frau oder einen stattlichen Mann zu bemerken. Wir können in der Gesellschaft nicht leben, ohne andere Menschen zu sehen, und es wird Zeiten geben, wo es notwendig ist, mit einer körperlich attraktiven Person zu tun zu haben. Wir wollen Lust nicht, aber auch nicht in Angst davor leben. Den Umgang mit anderen Personen zu erlernen, ohne dass sich unsere Gedanken in falscher Weise in Bewegung setzen, ist Teil des Erwachsenwerdens.
Wenn wir uns von sexueller Versuchung abwenden und Gott suchen, verweigern wir der Sünde die Chance, uns einzuwickeln. Es ist eine Strategie der Hölle, uns das Objekt der Lust anschauen zu lassen, selbst wenn wir es bekämpfen. Satans Strategie besteht darin, uns in den Ring zu locken, aber wenn wir den Köder nicht schlucken, verliert er.
In Gottes Wort wird uns immer wieder gesagt, dass wir vor der Lust fliehen sollen ("Fliehet die sexuelle Unmoral", 1. Korinther 6, 18) und sie nicht in unserer eigenen Kraft bekämpfen. Als Potiphars Frau nach Josef griff, rannte er vor ihr davon; er versuchte nicht, mit ihr zu verhandeln, während sie ihn anfasste.
Wenn du jahrelang Lust in deine Gedankenwelt aufgesaugt hast, wird es Zeit brauchen, bis du einen Rückgang von plötzlich auftauchender Pornographie in deiner Gedankenwelt feststellen kannst. Am Anfang wirst du vielleicht sehr viel beten müssen, vielleicht mehrmals in der Stunde. Lass dich nicht entmutigen. Es braucht Zeit, deine geistlichen Muskeln aufzubauen. Wenn du beginnst, Gewichte zu heben, wird es anfangs mehr Anstrengung kosten, und du wirst vielleicht noch nicht die schwereren Gewichte schaffen. Aber wenn du weitermachst, werden sich deine Muskeln an das Training gewöhnen und wachsen. Der Verstand arbeitet genauso. Wenn du damit beginnst, dich dem Herrn zuzuwenden, werden deine Gedanken sich von Lustzentriertheit verändern zu einer Gottzentriertheit, wodurch es leichter wird, Versuchungen zurückzuweisen.
"Betet ohne Unterlass." 1. Thessalonicher 5, 17
Es gibt Zeiten, da tauchen solche Bilder sogar auf, wenn wir beten und Kontakt mit Gott suchen. Das könnte ein geistlicher Angriff sein, und bei solchen Gelegenheiten müssen wir die Autorität, die wir in Christus haben, in Anspruch nehmen und den Mächten der Finsternis befehlen, dass sie gehen müssen. Bleibe beharrlich im Gebet, und wenn die Gedanken aufhören, weißt du, dass die Versuchung auf einen ungeistlichen Einfluss zurück zu führen war.
Zu einer anderen Zeit könnte es sein, dass wir von lustvollen Gedanken überrollt werden, wenn es noch unbekannte Sünde in unserem Leben gibt, die ein Einfallstor für ungeistlichen Einfluss sein kann. Wenn wir etwas Scharfes oder Unfreundliches zu unserer Frau gesagt haben oder wenn wir unsere Beziehung vernachlässigen und wir distanzieren uns voneinander, kann die Häufigkeit lustvoller Versuchungen in den Gedanken zunehmen. Vermehrte Versuchung ist die Verbürgung, die uns zeigt, dass es nötig ist, unser Leben zu überprüfen. Wenn das geschieht, bitte den Herrn darum, dass Er aufzeigt, wo die Wurzel des Problems liegt und dann reagiere sofort darauf.
Versuchung ist keine Sünde; erst dann, wenn wir damit beginnen, sexuellen Phantasien nachzuhängen, wird sie zur Sünde. Satan benutzt die Angst vor der Lust genauso sehr wie Versuchungen. Er wird dir ein sexuelles Bild in die Gedanken projizieren und dich dann bombardieren mit Gedanken wie "du hast gesündigt..., du Heuchler, du bist ein hoffnungsloser Fall... jetzt kannst du auch gleich weitermachen..." Bitte den Herrn, dir Unterscheidungsvermögen in diesen Bereichen zu geben und vermeide beständig die Isolation. Deine Brüder können dir helfen zu unterscheiden, was da abläuft.
"Im übrigen, ihr Brüder, was wahr, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, dem denket nach!" Philipper 4, 8
Die Bibelstellen wurden, soweit nicht anders angegeben, der »Zürcher Bibel 1931« (Verlag der Zürcher Bibel, Zürich) entnommen.
Auszug aus Mike Genungs Geschichte bzw. Buch ''Mein Weg zur Heilung''
