Jugendliche sammeln Pornos auf dem Handy, wie früher Fußballerbildchen

Pornographische Angebote im Handy-Format werden immer zahlreicher. Auch vor Jugendlichen macht diese Entwicklung nicht Halt. Ein Gespräch mit dem Obmann des Vereins Safer Surfing, Betreiber der Internetseite www.nacktetatsachen.at, über die neuen Gefahren für Teenager.

Pornographie über Handy - ist das bei Jugendlichen wirklich schon ein weit verbreitetes Phänomen?

Sicher gibt es viele Jugendliche, die damit noch nicht in Berührung gekommen sind, aber Bilder und Filme auf dem Handy werden mit den verbesserten technischen Möglichkeiten immer häufiger. Die großen Mobilfunkprovider bieten mittlerweile alle erotische Bilder und Filme zum Download an. Oft gelangen pornographische Inhalte auch unaufgefordert auf die Handys von Jugendlichen. Mittlerweile werden pornographische Videos von Jugendlichen gesammelt und weitergegeben, wie früher die Sammelbildchen von Fußballspielern. Darunter sind auch richtige

Hardcorepornos. In manchen Klassen ist man out, wenn man die einschlägigen Pornodarstellerinnen nicht erkennt.

Ist es notwendig, dass Eltern die Handys ihrer Kinder kontrollieren? Eigentlich würde man ihnen ja gerne ein Stück Privatsphäre lassen.

Kontrollieren ist so eine Sache. Das Schreiben von SMS hat bei Teenagern oft auch so eine Art Tagebuchfunktion. Sie empfinden es als schweren Eingriff in ihre Privatsphäre, wenn Eltern ohne Ankündigung die Inhalte ihres Handys durchforsten. Andererseits haften Eltern für das, was auf den Handys ihrer Kinder läuft. Wenn illegale Bilder und Videos weitergegeben werden, kann das für die Eltern ernste Konsequenzen haben.

Also doch kontrollieren?

Entscheidend ist, dass Eltern zu ihren Kindern eine gute Beziehung pflegen, in der man über solche Dinge reden kann. Aufklärung ist keine einmalige Sache, sondern ein langer Gesprächsprozess. Eltern sollten ihren Kindern sagen, dass Pornographie nur ein billiger und falscher Abklatsch von Sexualität ist - und dass nicht erst, wenn die Kinder fast erwachsen sind, denn im Schnitt werden Jugendliche heute erstmals im Alter von 11 Jahren mit Pornographie konfrontiert. Eltern sollten sich im Internet über Handys und die neuen Technologien schlau machen und sich von ihrem Kindern mal zeigen lassen, wie das alles funktioniert. Außerdem empfehle ich Eltern, um Schutz und Weisheit zu beten.

Kann man das Problem lösen, indem man ihnen gar kein Handy kauft?

Handys spielen in der Kommunikation von Jugendlichen eine Riesenrolle, deshalb halte ich es schon für wichtig, dass sie zum richtigen Zeitpunkt eins bekommen. Allerdings ist ein älteres Modell, mit dem man SMS schreiben und telefonieren kann, meines Erachtens völlig ausreichend. Am besten ein Handy ohne MMS, Kamera, W-Lan und blue tooth. Es gibt auch neue, schicke Handys wie das Motofone F3, die ohne Schnickschnack auskommen.